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Baum- und Bodenkunde



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Obstbäume sind schön, es steht eine riesige Auswahl leckerster Liebhabersorten zur Verfügung, ob als starkwüchsiger, oder als schwachwüchsiger Obstbaum - es ist immer toll, solche Bäume im eigenen Garten zu besitzen! Vor einer Pflanzung sollte aber immer einiges beachtet werden!
Ich, Wolf Schwerdtfeger, schreibe jetzt aus eigener Erfahrung, viel Spaß beim lesen:

Wichtiges zu allererst...

Bei unseren schwachwüchsigen Bäumen handelt es sich um ganz "normale" Liebhabersorten, die einfach und schlicht auf schwachwüchsige Veredlungsunterlagen veredelt sind. In unserem Beruf können wir für die Sortenveredlungen verschiedene Veredlungsarten wählen, zum einen gibt es schwachwüchsige (z.B. Apfel "Typ 9") und starkwüchsige Veredlungsunterlagen (z.B. Apfel "Sämling"). Auf beide Veredlungsunterlagen können wir das gesamte Sortenspektrum (z.B. Apfel wie oben beschrieben) veredeln. Was sind die Wachstumsunterschiede? Wird eine Apfelsorte auf die Veredlungsunterlage "Typ 9" veredelt, so wächst sie die ersten 2-3 Jahre "normal" und bildet sich so ihr Kronengerüst aus. Der Längenwuchs wird in den darauffolgenden Jahren ziemlich eingestellt und der Baum produziert dann gegenüber starkwüchsigen Bäumen schon früh viel Fruchtholz, an dem schon nach 2-3 Jahren nicht nur 1 Apfel hängen sollte. Dadurch, das die auf schwachwachseder Veredlungsunterlage veredelte Obstsorte "auf Ewigkeit" von dieser im Wuchs "gebremst", bzw. "zurückgehalten" wird, produziert ein junger Baum (4-5 Jahre) gegenüber starkwüchsigen Obstbäumen deutlich mehr Frucht, hierbei kann dieses bei solchen Bäumen durch den hohen Fruchtbehang zu "Instabilität" des Baumes führen. Warum? Das Wurzelsystem schwachwüchsiger Veredlungsunterlagen ist gegenüber starkwüchsigen Veredlungsunterlagen deutlich feiner ausgeprägt und wird meist nur in der oberen Bodenschicht (0,5-0,75m) ausgebildet, nicht wie bei starkwüchsigen Veredlungsunterlagen. Diese "verankern" sich auch in tieferen Bodenschichten und bilden ein deutlich kräftigeres Wurzelsystem aus, hier ist es so, das Sie ca. 5-7 Jahre nach dem Pflanzen schon fast eine "Hängematte" hineinhängen könnten - auch bei Niedrigstämmen. Diese Baumunterschiede können wir Ihnen z.B. bei uns vor Ort in unserem Obstsorten-Erhaltungsgarten deutlich vorführen. Generell sei gesagt, das sich auch Niedrigstämme, auf Sämlings-Veredlungsunterlage veredelt, in alle erdenklichen Formen erziehen lassen, sogar als Spalier. Der Wuchs solcher Bäume ist selbstverständlich "kräftiger", auch der erste zufriedenstellende Ertrag (mehr wie 15 Äpfel) setzt ca. 1-2 Jahre später gegenüber schwachwachsender Bäume ein, soll aber nichts heißen und liegt immer bei einem jeden selbst. Auch im späteren Obstbaumschnitt gibt es unter beiden Baumtypen Unterschiede. Schwachwüchsige Bäume erfordern später nur wenig Kenntnis über "Wuchskorrektur" in z.B. der Höhe, oder der "Fruchtholzauslichtung" - dieses aber erst in einigen Jahren. Stärkerwüchsige Bäume hingegen fordern gelegentliches "auslichten" der Kronentriebe und eventuelle "Höhenregulierung" der Krone, dieses hängt aber selbstverständlich davon ab, ob dieser Platz zum wachsen hat, oder, ob er in Zukunft auf eine bestimmte Höhe gehalten werden soll. Ein solcher Baum sollte nach dem Pflanzen die nächsten 4-5 Jahre nicht geschnitten werden, vielleicht nur im ersten Jahr die Triebspitzen herauskneifen (pinzieren), dieses fördert, das die Triebe nicht "durch die Spitze wachsen" und die junge Krone buschiger wird. Die pinzierten Triebe werden dadurch "gezwungen", sich zu verzweigen, selbstverständlich kann das "pinzieren" bei beiden Baumtypen durchgeführt werden. Aber, bei beiden Baumtypen gilt: Keine Panik! Ist man im Besitz eines oder mehrerer Obstbäume, gibt es doch nichts schöneres, als sich die richtigen und verschiedenen Schnittmöglichkeiten anzueignen, man möchte doch, das es seinen Obstbäumen gut geht - Obstbäume sind wie "Haustiere", sie wollen behütet und "betütelt" werden! Gute praktische Schnittinformationen (und selbstverständlich mehr) erhalten Sie durch uns direkt in unserer Firma (Beratung ist das halbe Leben) oder z.B. über den Pomologen-Verein: www.pomologen-verein.de   

Wichtiges zum Boden...

Möchten Sie diesen schwachwüchsigen Baumtyp im Garten pflanzen, so muß vor der Pflanzung darauf geachtet werden, das der Boden im Pflanzbereich "wertig" ist. Was bedeutet "wertig"?

Eine "Faustregel" sagt, je schwerer, bzw. "wertiger" ein Boden ist, desto schwachwüchsiger darf der Baumtyp sein, je leichter der Bodentyp, desto starkwüchsiger der Baumtyp. Handelt es sich um sehr "leichten" sandigen Boden, welcher im Sommer sehr schnell austrocknet, muß dieser für eine Pflanzung "vorbereitet", bzw. aufgewertet werden. Keine Angst, dieses ist leicht zu bewerkstelligen und mit unser Hilfe sowieso!

Böden sind in drei Klassen einzustufen:  1 = schwer, 2 = mittelschwer, 3 = leicht.

Schwerer Boden (1) = Marschboden/Schwemmböden/Kleieböden

Mittelschwerer Boden (2) = Anlehmiger, bei Feuchtigkeit "schmieriger"/beim gehen "wutschiger" Boden (Lehmböden, tonhaltige Böden, oftmals Gletscher-Endmoränen der letzten Eiszeit), dieser Bodentyp hat gute Feuchtigkeits-Speicherreserven bei anhaltender trockener Witterung (Hochsommer). Unser Straßenname verrät schon die Bodenwertigkeit in unserem Betrieb = Ziegeleiweg.

Leichter Boden (3) = Sandboden, welcher nur von einer mitteldicken Erdschicht (0,50-1m) bedeckt ist und bei anhaltender Trockenheit sehr schnell austrocknet, bzw. bei Trockenheit täglich gegossen werden muß, deutlich ist bei dieser Bodenklasse zu erkennen, das die Pflanzenvegetationen (Zierpflanzen, Rasen etc.) gegenüber Pflanzungen auf schweren Böden, ca. 1/3 schwächer sind. Dieses ist z.B. an der "Kräftigkeit", bzw. "Vitalität" (Blattfarbe etc.) der Pflanzen deutlich zu erkennen.

Was bedeutet es, einen Boden "aufzuwerten"?

Jaaa, das ist immer etwas schwierig zu beschreiben, ich versuche es aber auf einfachem Wege.

Bodentyp 1 & 2:

Die Bodentypen 1 & 2 brauchen i.d.R. keine Aufwertung, da sie schon genug "Kraft" für Wuchs und Vitalität in sich haben. In unserem Betrieb wird es immer ganz leicht beschrieben (wie das in Holstein so üblich ist): "Bei unserem Boden wird ein Baum gepflanzt, und dann ist das guuut". Beginnt z.B. bei uns im Betrieb (Bodentyp 2) die Wachstumsperiode (März/April), freuen sich selbstverständlich unsere im Freiland stehenden Obstbäume über zusätzlichen Volldünger, dieser sollte immer Anteile wichtiger Spurenelemente (Kupfer, Magnesium, Phosphor etc.) enthalten, da diese sehr wichtig sind. Obstbäume sind wie wir Menschen, fehlen uns bestimmte Vitamine, werden wir schwach und anfällig gegenüber Krankheiten, bei den Bäumen sind diese gewissen Mineralien-Spurenelemente die "Vitamine" und sorgen für gesunden Wuchs und Blattvitalität.

Bodentyp 3:

Bei dem Bodentyp 3 solle dieser vor einer Pflanzung aufgewertet werden, auch sollte nach einer Aufwertung darauf geachtet werden, das wie oben beschrieben, ein "Augenmerk" auf das spätere Düngen der Pflanzen gelegt wird.

Nun zur "Bodenaufwertung":

1: Vorbereitung des Pflanzloches. Graben Sie großzügig ein ca. 0,5m+ tiefes und im Durchmesser ein ca. 0,5m+ breites Loch (0,5-1 Kubikmeter, 1 Kubikmeter entspricht 1000 Liter Volumen, oder: Ein Pflanzloch welches 0,5m tief und 0,5m breit ist, entspricht 0,5 Kubikmeter = 500 Liter Pflanzlochvolumen). Weniger würde ich persönlich bei leichten Böden nicht ausheben. Dafür, das es seinem Baum/Bäumen später auf lange Zeit gesehen gut gehen soll, schwitzt man doch gern und schließlich "buddelt" man ja auch nicht jeden Tag! Wichtig ist es hierbei, den Bodenaushub zu trennen, was heißt: Die Obererde/Mutterboden auf einen Haufen neben dem Pflanzloch für sich, den Sand aus dem unteren Pflanzlochbereich abfahren (Schubkarre etc.) und gegen "satte und wertige" Erde/Mutterboden austauschen - aber noch nicht wieder in das Pflanzloch hinein füllen! Machen Sie sich jetzt neben dem Pflanzloch einen Haufen mit der neuen und der schon dort liegenden Erde. Jetzt mischen Sie 1/3 gut abgelagerten Kompost oder abgelagerten Pferdedung (ca. 2-3 Jahre alt) dem Erdboden zu, hierbei ist es wichtig, diesen jetzt sehr gut zu vermischen. Versuchen Sie auch, sich z.B. getrocknete (nicht gebrannte) Tonpeletts (evt. vom Brunnenbauer) oder kräftigen Lehm/Ton aus z.B. einem Kieswerk zu besorgen, dieses mit dem schon gut vermischten Boden erneut guuuut vermischen, Lehm/Ton speichert Wasser und wichtige Nährstoffe, die Wurzeln werden es Ihnen danken! Jetzt zur "Fingerprobe": Nehmen Sie das fertige Bodengemisch zwischen die Finger (Daumen und Zeigefinger) und Sie werden schon "fühlen", was ich meine. Einen guter Boden kann "gefühlt" werden: Schmiert er zwischen Daumen und Zeigefinger "hin und her", stimmt die Bodenstruktur und der Boden ist gut, krümelt er einen aus den Fingern und nichts bleibt am Daumen "kleben", muß er, wie schon beschrieben, aufgewertet werden. Nun hat Ihr Baum einen guten Start in sein neues Leben - und das mindestens für die nächsten 5-10 Jahre!

Sie möchten Ihren Obstbaum im Topf/Kübel halten und nicht in den Garten pflanzen, was müssen Sie beachten?

Generell ist es möglich, einen Obstbaum in einem Pflanzgefäß z.B. auf dem Balkon oder der Terasse zu halten, nur muß dieser etwas mehr "bemuttert" werden - dieses ist aber kein Problem! Besorgen Sie sich vor dem Pflanzen ein schönes und dekoratives Pflanzgefäß (hier sind Geschmäcker üblicherweise sehr verschieden). Dieses Pflanzgefäß sollte eine "Anfangsgröße von ca. 25-50 Liter Inhalt besitzen, der Baum soll sich ja wohlfühlen. Wichtig ist es, das dieses Pflanzgefäß im Boden Löcher für den Wasserablauf besitzt, da es auf keinem Fall zur "Staunässe" kommen darf. Bevor Sie das Pflanzgefäß mit dem Pflanzsubstrat befüllen, legen Sie über diese Wasser-Ablauflöcher im Gefäßboden z.B. kleine Tonscherben, dieses bewirkt später, das das nachfolgend eingefüllte Pflanzsubstrat die Ablauflöcher nicht verstopfen kann und ein durchgehender Wasserablauf (z.B. bei Regenfall/Wässern) gewährleistet ist.

Nun zum Pflanzsubstrat für Topfpflanzen:

Boden ist Leben... Leben heißt gesunde Pflanzen und gute Erträge! Was ist damit gemeint?

Freilanderde heißt nicht gleich Topferde, nein, es muß gemischt werden! Jeder Boden (fast jeder) in der freien Natur "atmet", er will durchlässig sein, Mikroorganismen setzen organische Stoffe um - Boden wächst, atmet und lebt - dieser möchte nicht als Topferde in einem Pflanzgefäß dienen, da dieser von der Struktur zu fein wäre und sich im Pflanzgefäß zu sehr "verfestigen" würde. Pflanzen, welche in einer solchen Umgebung stehen würden, könnten nicht "atmen", der Boden könnte nicht "atmen" und es würde zur "Verarmung" der Pflanze führen!

Was brauchen wir?

Ein von der Struktur lockeres und durchlässiges Pflanzsubstrat, welches bei heißer Witterung nicht zu schnell austrocknet, bzw. welches Feuchtigkeit und Nährstoffe gut binden und speichern kann. Wie kann ich dieses erzielen? In Baumärkten angebotene Pflanzsubstrate eignen sich in der Regel nicht für Obstbäume in Pflanzgefäßen, hier müssen Sie selbst zur Tat schreiten. Auch wenn es für einige schwer fällt: Besorgen Sie sich Pflanztorf. Dieser Torf wird mit 1/4 Mergel/Ton (Beschaffungsquellen oben beschrieben) und 1/4 Kompost (Kompostierungswerk etc.) vermischt, wichtig: sehr gut vermengen und vermischen - fertig ist unser Pflanzsubstrat!

Was bezweckt Torf, Kompost und Lehm in meinem Substrat?

Torf bringt "Lockerheit" in das Substrat, Kompost lebenswichtige organische Stoffe, Lehm/Ton speichert Wasser und Nährstoffe. Möchten Sie gute Wuchs- und Ertragsergebnisse erzielen, so verwenden Sie als Substrat-Grundträger Pflanztorf, da ein reines Kompost-Lehmgemisch zu "minderwertig" für die Pflanzen wäre, dieses würde sich im Wuchs und im Ertrag enorm auswirken! Womit hängt dieses zusammen? Organische Säuren im Kompost sind zu stark konzentriert (evt. wachstumshemmende Auswirkung), dieser sollte aus diesem Grund mit einem Substrat-Grundträger (Pflanztorf) "aufgestreckt" werden, Lehm/Ton bewirkt eine zusätzliche Neutralisierung zu starker Säuren im Substrat. So, Substrat ist fertig gemischt, dann kann der Baum in das Pflanzgefäß gepflanzt werden. Hierbei sollten Sie darauf achten, dass dieser ordentlich fest angedrückt wird, um einen festen Stand zu gewährleisten. Achten Sie darauf, dass ein im Pflanzgefäß gepflanzter Baum später alle 2-3 Jahre "umgetopft" werden sollte. Hierbei wird der Baum im zeitigen Frühjahr (Februar/März) aus seinem Pflanzgefäß entnommen, die Erde vom Wurzelballen entfernt (ausgeklopft) und die Wurzeln ca. 1/3 beschnitten, auch die Baumkrone sollte jetzt ca. 1/4-1/3 zurückgeschnitten werden, dieses aber selbstverständlich mit "Liebe" und fachgerecht. Jetzt wie oben beschrieben wieder mit neu angemischten Pflanzsubstrat im Pflanzgefäß einpflanzen und ordentlich andrücken, bzw. antreten. Wässern Sie nun den frisch gepflanzten Baum ausgiebig- fertig. Erscheint Ihnen nach einigen Jahren das verwendete Pflanzgefäß zu klein, sollten Sie eine Nummer größer wählen, auch dieses wird der Baum Ihnen danken! Guter Tipp: Verwenden Sie zum abdecken auf dem Pflanzgefäß etwas Rindenmulch von Nadelgehölzen (8-10cm dick), dieses sieht gut aus und der Baum wird dadurch besser vor "Austrocknung" geschützt!

Nun hoffe ich, das Ihnen diese Informationen verständlich "rübergebracht" wurden und vielseitig weiterhelfen!

In diesem Sinne das Beste für Ihre Obstbäume, Wolf Schwerdtfeger